Die Hamburger Fotografin Odile Hain hatte schon einmal für Modepilot fotografiert. Damals stolperten wir gemeinsam bei einer Reportage über eine wunderschöne und toll angezogene alte Dame in Paris (siehe Post: Ewige Eleganz). Ich war damals so begeistert von dem Bild, dass ich Odile bat, mal die Augen nach schönen Streetstyle-Motiven offen zu halten und mir ab und an mal was zu schicken. Gestern flatterten dann diese drei Bilder in mein Mail-Postfach. Toll!
Tregging? Noch nie gehört. Kein Wunder, ist auch ein komischer Trend und besagt eigentlich nichts weiter, als dass Legging und Hose gekreuzt und ohne viel oben drüber angezogen werden. Die Wortschöpfung entsteht durch das englische Trouser gemixt mit dem Wort Legging: Tr(ouser)(L)egging. Schaut aus wie diese Latexhose, die ich hier vor ein paar Tagen vorgestellt habe.
Modisch diskutabel wird der Trend für alle, die keine Model- oder Schaufensterpuppenfigur haben. Fashizblack und Sweet-megan.skyrock zeigen einige prominente Tregging-Beispiele angefangen von Rihanna zu Madame Beckham und vielen anderen. Ihre Outfits hätten alles das Zeug, um es in die Rubrik “Irgendwie daneben” zu schaffen. Denn die am Körper klebende Leder- oder Latexlegging, auf die übrigens auch Daisy Lowe, Nicky Hilton und Fergie stehen, sieht bei normal dicken Oberschenkeln schnell mal wie ein aufgepumpter Motorradreifen aus. Oder wie ein Taucheranzug. Und wer geht damit schon ins Restaurant?!
Ich habe hier mal zwei Beispiele von der Straße, die ganz gelungen sind.
1. Gut, weil die Frau spindeldürr ist und den Trend auch noch sehr modisch umgesetzt hat mit einer schlangen-gemusterten Tregging.
2. Gut, weil das hier eine Baumwoll-Tregging ist, die nicht an Reifenschläuche erinnert, die Stiefel alles abmildern und vor allem weil die Frau es sich leisten kann.
So, was meint ihr? Trend mitmachen oder besser nicht?
Typisch Paris? Genau. So laufen die Mädels hier rum, vor allem die, die in der Mode arbeiten. Was die Dame auch tatsächlich beruflich macht, denn ich traf sie gestern beim Lacoste-Showroom-Besuch. Als ich kam, war sie gerade dabei auf ihre Vespa zu steigen. Ihren Helm durfte sie aus Zeitgründen deswegen dann auch anbehalten.
Wir Modepilotinnen sind ja für Kontrastprogramm. Und für Internationalität. Deswegen gibt es nun im Anschluss an Prada in Düsseldorf noch eine Shoperöffnung: Yohji Yamamoto in Paris. Neuer Laden in der Rue Cambon, aber weiter unten als Chanel. Wie zu erwarten, ist alles in Schwarz-Weiß. Aber der Laden ist TOLL. An den Wänden gefaltetes Papier, das sonst für die Türen in Japan verwendet wird. Boden und die Treppengeländer sind aus einem Spezialbeton aus weißen Sand mit ganz hellen Steinchen, die eine Marmorisierung erzeugen. Wer nun glaubt, dass da ein Japaner am Werk war irrt. Die Architektin ist Britin.
So schaut es aus: Minimalismus à la Yamamoto.
Und die Gäste? Alle in Schwarz, was sonst – und echte Yamamoto-Typen
Voll war’s auf alle Fälle:
Japaner waren natürlich auch da, wie immer super cool gestylt:
Na, die beiden beiden gehören eher zu Pariser Bobo-Fraktion, siehe auch die unpassenden bunten Schuhe:
Das da sind eine Fraktion Amis und Engländer, sieht man auch an den Karojacken. Der in der Fellweste ist der Ami, glaube ich wenigstens – dem Dialekt nach zu schließen. Ich sage nur Neanderthaler-Jäckchen. Der sah so aus, als ob er gleich die Keule aus der Tasche zieht.
Ja, und ganz versteckt, dann doch noch: Der Meister selbst.
Schon witzig, da ist man im Ausland und die einzige Dame, die mir modisch auffällt, kommt aus meiner Stadt.
Diese junge Pariserin hatte ich in Brüssel getroffen und sie war wahrhaft international angezogen. Das Shirt mit den Händen hat sie in Berlin von einem Designer gekauft, ihre Brille stammt aus Österreich von Robert la Roche.
Ja oder nein. Pelzgegner können diesen Post gleich weg klicken. Aber genau da liegt doch der Hase begraben. Selbst die Anti-Pelzer, wie Milanoffice, werden kurzzeitig schwach. In Paris auf alle Fälle sind die Schaufenster voll davon. Bei einem Shoppingtripp kommt man rund 20 Fellwesten vorbei. Auf dem Laufsteg schaut das ja immer gut aus: Hier bei Barbara Bui, Chapurin und Paul&Joe.
Nehmen wir mal dieses Modell von Paul&Joe
und prüfen wir es auf Alltagstauglichkeit:
Schaut gut aus. Aber ansonsten – naja.
Selbst Suzy Menkes wurde angesichts des Trends schwach:
Schön sind wieder diese beiden Beispiele:
So und soll ich mir nun eine kaufen oder doch nicht. Ich bin versucht.
150.000 Dollar hat sie ausgegeben für Klamotten. Das erregt die Gemüter Amerikas. Das modische Verhalten der Vizekandidatin der US-Republikaner im Präsidentschaftswahlkampf Sarah Palin ist derzeit Tagesgespräch. Selbst die Süddeutsche ist gestern bereits ins Detail gegangen. John McCain verteidigt seinen Vize: Sie habe die Klamotten gebraucht und nach dem Wahlkampf wird alles für einen guten Zweck versteigert. Doch das interessiert gerade noch niemanden. Die Blogs überschlagen sich mit Stilkritiken und nun hat gestern abend auch noch CNN das Thema aufgegriffen.
Und zwar mit einer echten Expertin: Hilary Alexander vom Daily Telegraph.
Daneben sitzt so eine PR-Image-Frau, die nicht aufhörte, Palins Kaufsucht zu rechtfertigen. Sie sehe schließlich schick aus, besser als Hilary Clinton, die ja immer nur öde Hosenanzüge trüge.
Tja, und da waren wir schon mal beim Austeilen und da bekam auch noch Michelle Obama ihr Fett ab. Sie lege zu großen Wert auf Komfort, sagte die PR-Frau.
Doch da griff Hilary Alexander mutig sein. Nein, Michelle habe den besten Stil! Damit endete die Dabatte und wir danken Miss Alexander für ihr klares Statement für die richtige Seite
Gestern fand in London also das Opening der Kunstmesse Frieze Art statt.
Dazu laden Messe und Galerien Kunden, VIPs, etc. ein. Und weil ich leider kein Experte bin in Sachen Frieze Art, kam ich zu spät – heißt, als George Michael schon wieder weg war. Abends war es ziemlich voll (keine Chance, sich um die Kunst zu kümmern), während es tagsüber aufgrund der Wirtschaftskrise wohl erst mal sehr schleppend anlief. Der erste Tag ist hier der entscheidende, da werden die großen Geschäfte gemacht und die Sammler kommen (oder eben nicht). Egal, wir sind ja nicht der Kunstpilot.
Abends habe ich immerhin noch Rick Owens entdeckt:
der sich für den Iron Man hier interessierte.
Dann wollte Parisoffice ja gerne ein paaar “Irgendwie daneben”-Fälle sehen. Vorab: gibt es kaum. Die Kunstszene kleidet sich durch die Bank weg sehr gut. Hier kommt trotzdem mal ein kleiner Querschnitt (Jetzt höre ich schon das Gemecker aus Paris: “Warum denn alle nur von hinten und von der Seite? Hast Du die nicht angesprochen?” Neee, habe ich nicht. Ich habe auf einer Kunstmesse wirklich Hemmungen zu fragen: “Oh, ein tolles Outfit. Wo haben Sie das denn her? Darf ich Sie mal fotografieren?… Kunst, hä? Ich bin wegen der Klamotten hier.” Daher also nur Paparazza-Versionen)
Vintage & Mix ‘n’ Match war ein Thema
…und Neon
Oder eben schick in Schwarz
Apropos Schwarz – Frisur des Abends (links das; sah von hinten aus wie von vorne)