Archive for the ‘Ready-to-speak’ Category

Ready-to-speak: Chain-heel

24, November 2008

Jeden Monat erweitert Modejournalistin ihren Wortschatz – unverzichtbare Wortneuschöpfungen für einen gepflegten Fashiontalk.

Das Modephänomen Schmuck-Couture 2008/2009 badarf weiterer Begriffe. Finden Schmuckelemente doch nicht nur auf Lanvin-Kleidern und Jacobs-Kragen statt, sondern auch auf Taschen (Prada, Gucci, Michael Teperson) und eben auf Schuhen – in allen Varianten: aufgenähte Swarovski-Steinchen, perlenbesetzte Federn um den Knöchel (Roger Vivier) und aufwendig geschmückte Absätze. Nieten, Kristallsteine und Pailletten verzierten bislang den 10-Zentimeter-Absatz aus Leder oder Satin. Jetzt – mit den Cruise-Collections beginnend – sind es Ketten. Chain-heels:

dior  55bis

 

Kette am Fuß: Collier-ähnliche Gebilde schlängeln sich um den immer schmaler werdenden heel, klimpern mit Lapislazuli-Perlen bei Dior oder sind starr wie bei Loewe. Die Fußkettchen 2009 sind dem Pumps implementiert. Schmuck-Couture auf die heel-Spitze getrieben.

 

Fotos: Cristian Dior (Cruise 2009), Loewe (Frühjahr/Sommer 2009)

Ready-to-speak: Strick-boots

27, Oktober 2008

Jeden Monat erweitert Modejournalistin ihren Wortschatz – unverzichtbare Wortneuschöpfungen für einen gepflegten Fashiontalk.

Bolero-Jäckchen, Cardigans und Capes – alles, was sich in gestrickter Form anbieten lässt, hängt jetzt in den Läden. Je grober, desto besser. Gestrickte Röcke und feiste Zopfmuster-Kleider. Es gibt einfach kein Kleidungsstück, das in dieser Wintersaison nicht auch der Stricknadel zum Opfer fällt. Auch Accessoires wie Taschen, Schals sowieso. Doch sogar Stiefel?!?

 

 

Strick-Boots gibt es für Männer von Emporio Armani und für Frauen von Ugg Australia. Über die Eleganz solchen Schuhwerks möchte man nicht diskutieren. Genehmigung von der Modefront wird für diesen Schuh allenfalls für Langstreckenflüge und heimelige Sonntage erteilt. Doch diese Strick-boots eignen sich hervorragend als Symbol der Grobstrick-Flut – ein Phänomen, das unser Kuschel-Bedürfnis in Krisenzeiten aufzeigt. „Cocooning 2.0“ nennt es die Kollegin Alke von Kruszynski (Park Avenue), die gerade mit dem australischen Modell aus einer Air-France-Maschine stieg. Barfuss im Schafspelz (Futter des Ugg-boots) für die Extraportion Streicheleinheit.

 

Fotos: Emporio Armani (Men’s Collection, Herbst/Winter 2008/09), Ugg Australia (Herbst/Winter 2008/09)

Ready-to-speak: Schmuck-Couture

29, September 2008

Jeden Monat erweitert Modejournalistin ihren Wortschatz – unverzichtbare Wortneuschöpfungen für einen gepflegten Fashiontalk.

Schmuck-Couture glitzert von den Laufstegen und auch für den Sommer 2009 sahen wir bereits in New York, London, Mailand und Paris entsprechende Kreationen – logische Konsequenz der Modeschöpfer, die auf das It-Accessoire „Watch-me Jewellery“ reagieren. Schmuck-Kreationen, wie die von Tom Binns, laufen jedem It-Bag den Rang ab. Binns, dessen Schmuck auch Michelle Obama und Anna Wintour tragen, provoziert mit: „fashion is the new accessory!“.

Also reagieren die Modehäuser und verbinden ihre Mode mit funkelnden Elementen: Kleid und Collier in einem. Oder reich bestickte Mäntel und Bolero-Jäckchen. Schmuck-Couture: Dicke und bunte Glassteine auf allen Stoffqualitäten, damit die Reinigung des Vertrauens so richtig gefordert wird – wehe, meine Juwelen verlieren an Strahlkraft! Darum geht es. Bei Schmuck-Couture wird um die Wette gestrahlt und gefunkelt. Die schwer besetzten Kleidungsstücke wirken als hätte man sich den Familienschmuck aufgebügelt. Die Schmuckschatulle vom Kleiderbügel ist der Gipfel des Wirtschafts-Oh-Wunders 2008: Von wegen Rocklängen sind ein Indiz für die wirtschaftliche Situation. Heute – in der angespannten Lage – geht es nicht um Stoffmengen und Beinverstecken, sondern um Swarovski-Steine, ha! Funkelmarie, wer sich nicht verspekuliert hat. Oder zumindest diesen Anschein erwecken möchte. Auch „It-Bag“ darf sich nur nennen, was kunstvoll bestickt ist.

Fotos: Lanvin (Herbst/Winter 2008/09), stardustfashion.com: Marc Jacobs (Herbst/Winter 2008/09)

Ready-to-speak: Paketgürtung

1, September 2008

Jeden Monat erweitert Modejournalistin ihren Wortschatz – unverzichtbare Wortneuschöpfungen für einen gepflegten Fashiontalk.

Gürtel machen Spaß. Kaum ein Outfit, das wir nicht mit einem breiten Akzentgürtel auf Taille trimmten (unvergessen: die Serviettenringe von Dolce & Gabbana). Das ist überreizt. Viel schöner kommen jetzt die schmalen Gürtel für Herbst/Winter daher. Sie formen lässig eine natürlicher wirkende Sanduhr-Silouette:

Bei der Paketgürtung umfassen zarte Taillenschmeichler alles, was sie kriegen können, auch Schals und Tücher. Das ist deshalb so raffiniert, da sich so zu der sexy Taillenbetonung etwas Unbekümmertes gesellt. Vorbei die offensive Wespentaille. In der zweiten Hälfte des Jahres werden Stil- und Materialmix, Lammfellmantel und Seidenschal von Fingerbreitem zusammen gehalten.

Worauf bei der Paketgürtung zu achten ist: Zu voluminös, bzw. vielschichtig darf es unter dem Lederriemen nicht zugehen – es sieht sonst nach Paketschnürung und nicht nach -gürtung aus (fernab der Lässigzone!). Maximal ein bauschiges Teil wählen (Strickkleid oder gefütterter Mantel) und mit einem weniger auftragenden Stück kombinieren (Tailliertes, Trench). Unter dem Fuchspelz braucht es eh nicht mehr als ein Seidenkleid.

Strickjacken am besten nicht zuknöpfen – verstärkt den Lässig-Schick. Für diesen und die Paketgürtung müssen Gürtel und Schuhe übrigens nicht Ton-in-Ton sein.

Fotos: Hermès, Lacoste

Ready-to-speak: Front-Row-Look

4, August 2008

Jeden Monat erweitert Modejournalistin ihren Wortschatz – unverzichtbare Wortneuschöpfungen für einen gepflegten Fashiontalk.

Werte Fashioncrowd, wie nennt ihr die Kleidung, mit der ihr morgens das Verlagshaus betretet? Doch nicht etwa Business-Kleidung! Von wegen schwarzer Anzug, schwarzes Kostüm und schlichte Pumps. Nein, wir reden von apfelgrünen Yves-Saint-Laurent-Sandaletten zum roten Strenesse-Kleid (oder doch lieber die schwarzen Louboutins?). Nur kann man gesteifte Blümchenkostüme mit Minirock (Balenciaga) doch nicht als Business-Outfit deklarieren…

Also ich möchte meine raffinierten Kleidkombinationen sprachlich abheben von Esprit-Hosenanzügen und rosafarbenen Hemdblusen. Der Front-Row-Look ist soviel abwechslungsreicher, weiblicher, phantasievoller und persönlicher. Er ist der Personal Suite, Dress-for-Success-Look, weil selbstbewusst und kenntnisreich. Front-Row-Look verkörpert Haltung, Stil und Stimmung.
Wenn mich eine Kollegin fragt, was sie zur Shoperöffnung um 19 Uhr tragen solle, dann antworte ich, dass sie sich nicht umziehen brauche. Und dann wird trotzdem jedes Kleidungsstück, jedes Accessoire diskutiert (Nicht jeder geht so zur Arbeit wie Du!). Allein für diese Momente wäre ich für einen eingeführten Begriff dankbar.
Einen Begriff, der einen modisch gereiften Kleidungsstil umfasst.

Einladungskarten behelfen sich gern mit Dresscodes wie „be stylish“ – das kann im schlimmsten Fall jedoch eine Victoria-Beckham-Jeans, Tanktop, High-heels plus Logo-übersäte Handtasche meinen. Und das ist kein Kleidungsstil, das ist eine Celebrity-Vorlage.
Front-Row-Look ist ein Kleidungsstil, der sich stets der Mode und dem Typ auf sehr elegante Weise nähert. Zweifelsohne sollte er einen Modekenner enttarnen. Ihn keinesfalls als Modeopfer entlarven. Denn mit dem Front-Row-Look sitzt man immer in der ersten Reihe.

Fotos: Balenciaga (Sommer 2008), Gucci (Sommer 2008 )

Ready-to-speak: Perfectionista

7, Juli 2008

Jeden Monat erweitert Modejournalistin ihren Wortschatz – unverzichtbare Wortneuschöpfungen für einen gepflegten Fashiontalk.

Gibt es ein passendes Outfit für die Zeitspanne zwischen Sonnenbad und Sundowner? Eine Fashionista würde sich mit dieser Frage nicht quälen (ihr genügt das Umknoten eines Louis-Vuitton-Schals). Eine Perfectionista hingegen sucht für den Anlass, von Sunbed Richtung Cocktailbar zu stolzieren, nach der perfekten „Übergangskleidung“:

 

 

So ein bisschen „Perfectionista“ steckt in jedem von uns:

Pedantische Modekenntnis gehört in ihr Repertoire wie der direkte Draht zur zuverlässigen Wettervorhersage und das Studieren kultureller Kleiderordnungen, doch sie ist nicht gleichzusetzen mit einer Perfektionistin: Sie mag ein untrügliches Gespür dafür haben, wann hochhackige Pumps in Knatschrot passen, Servietten bügelt sie deshalb noch lange nicht auf und auch an der Aqua-di-Parma-Kerze wird sie nicht zwanghaft drehen, wenn das Logo zur Seite zeigt.

Sie hat von allem alles: für jede Eventualität ein präzise organisiertes Outfit. Doch Vorsicht! Die Sprache ist nicht von Luxusbesessenen, die Kelly-Bags in allen Farben horten. Es ist vielmehr die Rede von vorausblickenden, gut organisierten Damen mit Faible für Etikette. Sie besitzen Gala-Roben, Cocktailkleider, Maxiröcke, ein österreichisches Dirndl und ein bayerisches Dirndl, aber auch Cargo-Pants und Biker-Jacke. Multifunktionale Kleidung wie Allwetterjacken oder Zwiebel-Kombination lehnt die Perfectionista ab – schlechte Ausreden von Menschen, die sich nicht anpassen wollen. Und das macht sie so unverwechselbar: Die kleidertechnische Meisterschaft bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber Praktikabilität.

Anstrengend wirkt sie, zweifellos. Auf den ersten Blick jedoch verkörpert sie Souveränität, die personifizierte Leichtigkeit. Denn sie ist perfekt gekleidet.

Fotos: Bottega Veneta (Resort 2008), Dior (Cruise 2008 )